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Psychotherapie: Welches Verfahren passt zu wem?

Berlin (dpa/tmn) - Ob bei Depression, Burnout-Syndrom oder Ängsten: Häufig wird zur Behandlung von psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen und Störungen eine Psychotherapie empfohlen.

«Bei einer psychosomatischen Erkrankung verursacht das psychische Leiden körperliche Symptome», erläutert Barbara Lubisch, Vorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung. So könne Stress etwa Bluthochdruck oder Darmerkrankungen verursachen.

Momentan existieren drei zugelassene und von der Krankenkasse bezahlte Verfahren: die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte sowie die analytische Therapie. Die beiden letzteren werden unter dem Begriff psychodynamische Therapien zusammengefasst.

Aber welche Methode passt zu wem?

«Die Verhaltenstherapie bezieht sich auf das Symptom», sagt Andrea Zubke. Sie ist tiefenpsychologische Psychotherapeutin. In den Gesprächen und Übungen wird analysiert, welche Gedanken- oder Verhaltensmuster der Patient gelernt hat, um sie dann zu ändern. Wer lieber Übungen machen und schnell Erfolge sehen wolle statt viel zu reflektieren, für den sei das Verfahren gut geeignet, sagt Lubisch.

Ängste und Zwangserkrankungen gelten als Klassiker der Verhaltenstherapie. Wer zum Beispiel keinen Fahrstuhl betreten will, kann das trainieren, führt Zubke an. «Bei psychosomatischen Störungen ist ein tiefenpsychologisches Verfahren vielfach besser geeignet», erklärt Sabine Köhler, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte.

Grundlage der psychodynamischen Verfahren ist immer das Gespräch.

Es geht darum, innere Konflikte oder Ängste, die früher entstanden sind, bewusst zu machen. «Verstehen Patienten das Symptom, verschwindet es meistens», erklärt Zubke.

Patienten sollten sich Lubisch zufolge fragen, welches Verfahren am besten zur Person passt. Ohnehin gebe es große Überschneidungen. «Viele Krankheitsbilder können sowohl tiefenpsychologisch als auch verhaltenstherapeutisch behandelt werden», sagt Köhler. Wichtig ist, dass sich die Patienten gut aufgehoben fühlen. «Es sollte eine gute Arbeitsbeziehung entstehen», sagt Köhler.

Den Großteil aller Psychotherapien übernehmen Lubisch zufolge bei Erwachsenen psychologische Psychotherapeuten. Etwa 20 Prozent davon sind ärztliche Psychotherapeuten. Nach dem Medizinstudium haben sie sich zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie weitergebildet. Sie dürfen Medikamente verschreiben oder eine Krankschreibung ausstellen.

Hausarzt als erster Ansprechpartner

Bei der Therapeutensuche kann der Hausarzt als erster Ansprechpartner oft Empfehlungen in der Region geben. Köhler rät, einen Facharzt zum diagnostischen Gespräch aufzusuchen, um andere Optionen und die Möglichkeit einer Medikation abzuklopfen. Zudem halten die pro Bundesland Listen mit den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten vor. Die bietet auf ihrer Webseite eine Suchfunktion.

Innerhalb von vier Wochen sollte es möglich sein, in eine Psychotherapeutische Sprechstunde zu kommen. Die ist mittlerweile Pflicht vor einer Behandlung. Dafür benötigen Interessierte keine Überweisung. In großen Städten sei das innerhalb dieser Zeit möglich, sagt Lubisch, in kleineren Kommunen oder auf dem Land eher nicht.

Die erklären die Erkrankung, welche Behandlung notwendig ist und wie schnell die Therapie beginnen sollte. Bevor die eigentliche Therapie beginnt, gibt es bis zu vier sogenannte probatorische Sitzungen. Den Patienten wird die Vorgehensweise erläutert und sie erhalten einen Eindruck des Therapeuten. Ein Wechsel ist in dieser Zeit möglich. Erst danach stellt man einen Antrag auf Bewilligung an die Kasse.

Auch Ausbildungsinstitute kann man anfragen, rät Zubke. Sie bieten Sprechstunden unter Supervision an. «Die Qualität ist also nicht schlechter, obwohl es Berufsanfänger sind», sagt Zubke. Und dann gibt es noch die Möglichkeit, die Therapie selbst zu zahlen und sie sich später erstatten zu lassen. Allerdings sollte man sich vorher unbedingt eine Zusage von der Kasse einholen, raten die Expertinnen.


Text: dpa / Bild: Christin Klose (dpa) (07.08.2019)